Cold // Kalt
I’ll be writing this blog post in German, since one of my friends in Germany found it hard to believe that it gets to -35°C here in British Columbia - and I am happy to oblige and share my experiences with the Canadian Cold. No need to translate this one, since my Canadian peeps don’t even put on jackets at -35°C…. so what’s there to explain?
“Es könnte sein, dass diese Nacht Ihr Thermometer platzt.” - Tom Buhrow zu Beginn der #Tagesthemen
— Harald Baumer (@inderhauptstadt) February 6, 2012
Diesen Tweet sah ich vor Kurzem auf Twitter und musste natürlich als abgehärtete Auswanderin gleich meinen Senf dazugeben und die “Daheimgebliebenen” als Weicheier bezeichnen.
Zugegeben, es war nicht immer so - in unserem erster Winter hier (mittlerweile vier Jahre her) war ich nicht so vorlaut. Da war ich eher kleinlaut. Kalte Winter in Deutschland waren -10°C und ich konnte mich vage an einen Winter mit -20°C erinnern; selbst wenn ich es irgendwie schon erwartet hatte, trafen mich die -35°C dann doch wie ein Hammer.
Ein Hammer, der einem die Luft wegnimmt - man traut sich dann nämlich nicht mehr so richtig tief einatmen.
Die arktische Luft sorgt in der Gegend, in der wir leben, etwa zweimal im Jahr dafür, dass es so richtig saukalt wird. Sobald die Wettervorhersage die “arctic front” ankündigt, werden die Notvorräte überprüft, jede Ritze an den Fenstern und Türen wetterfest gemacht und der “Blockheater” im Auto angeschlossen.
Ein Blockheater ist eine Starthilfe fürs Auto, die die Flüssigkeit im Kühler auf Temperatur hält, damit das Auto dann bei -35°C auch anspringt. Die Starthilfe ist im Motorraum eingebaut und wird mittels eines normalen Verlängerungkabels mit der Außensteckdose verbunden (zu dem Zeitpunkt verstand ich dann auch warum jeder Parkplatz/Stellplatz eine Steckdose hat).
Die Kälte kam und wir waren vorbereitet. Bis ich dann in die Arbeit musste und mein Auto anlassen wollte. Es sprang zwar an, aber mit der Starthilfe stimmte etwas nicht, der Kühler was bei -35°C am Kochen! Die Zeit drängte und todesmutig beschloss ich in die Arbeit zu laufen.
Seitdem wird mir so schnell nicht mehr kalt.
Ich hatte lange Unterwäsche und zwei Hosen an, Handschuhe und Mütze und das Gesicht bis auf die Augen bedeckt. Nach wenigen Minuten war der Rotz in der Nase gefroren. Das Atmen tat sogar durch die Ski-Maske weh und als ich 10 Minuten später in der Arbeit angekommen war konnte ich den Teil meines Gesichts, der nicht bedeckt war, nicht mehr spüren.
Ich fühlte mich schon ein bißchen wie eine Heldin, ließ mich dann aber von einem Arbeitskollegen nach Hause fahren - genug Heldentaten für einen Tag.
Als die nächste Kältewelle etwa zwei Monate später durch Merritt rollte stellte ich fest, dass es sich schon gar nicht mehr so kalt anfühlte.
Seitdem haben wir -35°C ungefähr viermal “mitgemacht”, eine “normale” Kältewelle ist meist nur um die -25°C. Meine Kinder weigern sich, Winterjacken zu tragen wenn es wärmer als -10°C ist und meine Arbeitskollegin hatte vor zwei Wochen bei -29°C noch Sandalen (ohne Strümpfe!) an.
Da allerdings wirklich ab -15°C die Gefahr von “frostbite” (Erfrierungen) besteht, finden die Pausen in der Schule ab dieser Temperatur innen statt, sonst geht das Leben wie gewohnt weiter - manchmal sogar in Sandalen.
Ach ja, noch was - nach einer Woche -35°C fühlen sich -20°C wirklich richtig mild an, oder um es in den Worten meiner Kinder zu sagen: “Kalt ist was anderes!”
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